Hier gehts weiter

Rudi Klein:

"Notsituation Heißhunger"

Rudi Klein

Die Zeichnungen und Karikaturen des Wieners Rudi Klein wurden und werden in verschiedenen österreichischen und deutschen Zeitschriften bzw. Zeitungen veröffentlicht, zum Beispiel Standard, Falter, Profil, Trend, Titanic, Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit.

Obwohl ich schon ein Fleisch- und Wursttiger bin, trifft man mich eigentlich nicht besonders oft am Würstelstand. Wenn, dann meistens spät in der Nacht, wenn ich lang unterwegs war und mich der Heißhunger befällt. Man könnte durchaus von einer Art Notsituation sprechen. Und da hat man meistens keinen Haubekoch bei der Hand. Dann muss es schnell gehen. Wobei, da fällt mir ein, als ich heuer aufgrund meiner Ausstellung eine Woche im Lentos- Museum in Linz war, besuchte ich jeden Abend den "Leberkäs-Beppi". Der hatte einen sauguten Leberkäs und Bratwurst mit Sauerkraut. Letzteres würde ich mir auch im Wiener Angebot öfters wünschen. Generell liebe ich Würste aller Arte, wobei sich meine Favoriten verändert haben.

Was ich gar nicht mag, sind Eitrige, also Käsekrainer. Was mir zu dem Käsekrainer- Streit einfällt, den es heuer gab? Das finde ich einfach nur lächerlich. Ich verabscheue heißen Käse in jeder Form. Deshalb mag ich auch die Schweiz nicht besonders. Einmal im Jahr quäle ich mich aus Liebesgründen durch einen Teller Kässpätzle. Meine Freundin stammt nämlich aus dem Bregenzerwald.

Als Ort der Kommunikation funktioniert ein Würstelstand hervorragend, denn an einem solchen Ort kommt es zu einer sehr guten sozialen Durchmischung. Das taugt mir. Da gibt es sehr schöne aber auch weniger schöne Geschichten und Erinnerungen. Leider merkt man sich nicht all die wunderlichen Dinge, die da passieren.

Ich mag gern den Würstelstand bei der Albertina. Der war für den Staatspreis für Design nominiert, wobei ich den Stand nie als Designobjekt wahrgenommen habe. Wenn das Design gewachsen ist und den Bedürfnissen der Kunden entgegenkommt, ist mir das natürlich recht. Oft wird ja im Bereich Design- und Architektur am Benützer vorbeiproduziert. Kurz gesagt, ich hab nichts dagegen, wenn ein Würstelstand aussieht wie eine Skulptur - wenn er auch funktioniert. Da bin ich streng. Schön ist gut, aber Sinn muss es halt machen.

Die Männer, meistens sind es ja Männer, die im Würstelstand arbeiten, nehme ich in der Regel eher als muffige Typen wahr. Wenn es anders wäre, würde es richtig auffallen. Aber es ist wohl auch nicht der lustigste Job, die halbe oder sogar ganze Nacht in der Kälte zu stehen. Klar gibt's ein paar, die einen guten trockenen Schmäh haben. Der Idealfall wäre ein Würstelstand-Mann, der seinen Job wie ein guter Barkeeper erledigt. Man kommt mit den Leuten am Würstelstand, also mit den anderen Kunden, wahrscheinlich deshalb leichter ins Reden, weil man sich in einer ähnlichen Situation befindet. Ich würde mich schon als kontaktfreudig bezeichnen, das hängt wahrscheinlich mit meiner einsamen Arbeitssituation zusammen, wobei ich im Alter nicht menschenfreundlicher werde. Was ich mir letztendlich von einem Würstelstand wünsche, ist eine anständige Qualität. Das ist wie mit dem Wein. Es ist einfach nicht mehr notwendig, schlechten Wein auszuschenken.

WeitereStories

Tages Menü
Tagesmenü
Montag, 10.12.2018
Alle Fleischerei Standorte