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Grillen und Holzkohle gehören zusammen

Die Köhlerei ist ein nahezu vergessenes Handwerk. Am Hof von Johann und Theresia Hochecker bei Michelbach in Niederösterreich raucht es den ganzen Sommer über. Sie produzieren noch echte Holzkohle, die Grill-Profis zum Schwärmen bringt.

Frühlingshaft grün sind die Wiesen rund um Michelbach in Niederösterreich. Wer sich auf den Weg zum Bauernhof der Hocheckers macht, hat ein klares Ziel. Holzkohle kaufen. Nichts erzeugt eine bessere Glut, „weil wir nur große Stücke in die Säcke füllen“, erklärt Theresia Hochecker gerade einer Gruppe, die mit einem Bus nach Kleindurlas bei Michelbach gekommen ist. Sie wollen wissen, wie Kohle erzeugt wird. Die Hocheckers sind eine von 15 Familien, die sich noch auf dieses alte Handwerk verstehen. Dass hier von März bis September Holz verbrannt wird, kann man riechen.

Die Leut‘ finden, es riecht bei uns geselcht wie in einer Räucherkammer.

Theresia Hochecker und zeigt auf den fünf Meter hohen Meiler, aus dem weißer Rauch aufsteigt. Die beiden haben den Meiler in tagelanger Arbeit selbst aufgeschichtet. Was zu Beginn wie ein kleines Lagerfeuer mit einem sehr langen Rohr in der Mitte ausgesehen hat, ist jeden Tag Schicht um Schicht gewachsen. Holzscheite von Buche, Eiche, Fichte und Tanne wurden zu einem kreisrunden, dreistöckigen Gebilde aufgebaut, mit Reisig aus dem Wald behängt und schließlich mit Lösch – einem Gemisch aus Erde, Sand und Asche abgedeckt. Der fünf Meter hohe Turm sieht ein bisschen wie eine mittelalterliche Festung aus. Das lange Rohr in der Mitte, dient dazu, den Meiler anzuzünden. Damit es auch ordentlich zu brennen beginnt, werden durch dieses Rohr so lange Holzscheite nachgefüllt, bis der Stoß von oben Feuer fängt. Denn Kohle entsteht von oben nach unten, wird  man bei der Führung erfahren und auch, dass in der Köhlerei Nachtschichten ganz normal sind.

Vor dem Schlafengehen muss kontrolliert werden, ob alles im Meiler nach Plan verläuft.

Johann Hochecker hat das im Gespür. Wenn er auf die Leiter steigt und mit seinem Ansticheisen in den Meiler bohrt, kann er den Verkohlungsgrad im Inneren feststellen. Drei Wochen dauert es, bis der Verkohlungsvorgang vollständig abgeschlossen ist. Dann kann der Meiler gelöscht, die Holzkohlestücke zerkleinert und in Säcke abgefüllt werden. „Die Profi-Griller in Österreich kennen uns und decken sich bei uns meistens für die ganze Saison ein“, erzählt Theresia Hochecker, die die Köhlerei von ihren Schwiegereltern „geerbt“ hat.  Traditionell habe es in der Gegend schon immer Köhler gegeben, die seinerzeit die Eisenindustrie in Lilienfeld belieferten, erzählt sie. Kohle brennt heißer als Holz und wurde deshalb dringend benötigt.

Die Kohlesaison beginnt im Frühling mit Holz dass die Bauern im Winter geschlagen und zerkleinert haben, die Nachfrage ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Neben den passionierten Grillmeistern kommen zunehmend auch Gärtner, die mit Holzkohlestaub und kleinen Holzkohlestücken Erde fruchtbar machen  wollen – „Terra Preta“ ist der Fachbegriff.  „Mich freut, dass die Leute unser Handwerk schätzen“, sagt Hochecker. Kohlemachen wurde unlängst sogar unter den Schutz der Unesco gestellt.

Mehr dazu unter: www.holzkohle.at

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