WÜRSTELSTÄNDE
von Radatz beliefert

Würstelstand

FINDER

Radatz Wiener Original

DAS GROSSE
zwischendurch

Wer großen Hunger und wenig Zeit hat, geht zum Würstelstand. Nach der Arbeit, vor der Oper, mitten in der Nacht. Es gibt hunderte gute Gründe.

Die Vizebürgermeisterin Renate Brauner macht’s, auch der Karikaturist Klein gibt es zu. Und der Kabarettist Robert Palfrader sowieso: „Ich bin ein Fleischtiger. Nach der Vorstellung belohne ich mich mit einer Käseleberkässemmel oder einem Hotdog mit Senf und Ketchup. Wenn es kein Fleisch mehr gibt, fress ich Vegetarier.“  

Fleisch in seiner schnellsten Form und zum Mitnehmen heißt schon seit Jahrhunderten Würstel. Und nirgendwo schmecken sie besser als am Würstelstand. Mittags, abends und in der Nacht. Bei Schnee, Regen und Sonnenschein.

Fotograf Stefan Oláh

"Ein Würstelstand ist eine funktionale Verlockung"

Der Fotograf Stefan Oláh hat vor kurzem ein Fotobuch über 95 Wiener Würstelstände herausgebracht. Für Franz ein guter Grund, den Mann auf eine Wurst einzuladen.

Ich bin eher unregelmäßig am Würstelstand anzutreffen, so zweimal im Monat, würde ich schätzen. Den am Hohen Markt mag ich besonders gern, er liegt günstig für mich. Wenn, dann bin ich dort nach Mitternacht, man könnte diesen Imbiss als eine Art zweites Abendessen bezeichnen.

Ich bestell so gut wie immer eine Käsekrainer mit süßem Senf, Brot und drei Pfefferoni. Dazu gibt's ein kleines Bier. Die meisten Leute wissen gar nicht, dass die Käsekrainer erst in den 1980er-Jahren erfunden wurde. Ist schon eigenartig, und jetzt wird sie als traditionelles Kulturgut gepriesen, was sie gar nicht ist. 

Gern mag ich auch den Würstelstand beim Rinterzelt im 22. Bezirk. Er heißt Big Mama. Dort gibt es einen sogenannten gemischten Teller, also von allem ein bisschen was. Wenn ich zum Würstelstand gehe, dann meistens mit Freunden oder mit meiner Frau. Es muss geschwind gehen.

Ich sehe den Würstelstand eigentlich nicht als Ort der Kommunikation und der Vermischung sozialer Schichten. Das halte ich eher für eine Mär, außer man hat einen Betrunkenen vor sich, aber dass sich der Businessman mit dem Hackler anregend unterhält, das kommt doch wohl eher selten vor. Es kommt auch sehr darauf an, ob ein Würstelstand am Stadtrand, im Industriegebiet oder bei der Staatsoper steht. Mehr Bedeutung messe ich da schon dem Mann oder der Frau hinter der Budel zu, schließlich sind die Köche und Servicepersonal in einem. Ich denke nicht, dass man sich um den Würstelstand an sich Sorgen machen muss. Ich wüsste keinen Grund dafür. Er bietet einfach nach wie vor wohlschmeckendes Fastfood. Er ist einfach eine funktionale Verlockung.

Im Rahmen des Buches "Fünfundneunzig Wiener Würstelstände", das ich vor kurzem mit dem Kunsthistoriker Sebastian Hackenschmidt herausgebracht habe, besuchte ich 120 Würstelstände in Wien, hab die buchstäbliche Schnauze aber noch immer nicht voll von Würsten.

Viel mehr Würstelstände gibt es dann in Wien auch nicht. Abgebildet sind letztendlich 95, weil sich manche doch sehr ähnlich sind. Es war gar nicht so leicht, die alle zu finden, es gibt keine Listen oder Verzeichnisse. Die Recherche war also schwierig, und viele der Würstelstände haben wir über Mundpropaganda entdeckt. Bei dem Buch geht es uns allerdings gar nicht so sehr um den Würstelstand an sich. Uns interessieren vor allem die urbanen und soziokulturellen Zusammenhänge dieser Wiener Institutionen, also auch das Erscheinungsbild des Umfeldes. Das in Bilder umzusetzen war gar nicht so leicht. Manchmal passte das Wetter nicht, dann stand wieder ein Lastwagen vor der Kamera usw. Wir haben die Stände ja zu allen verschiedenen Jahres- und Tageszeiten fotografiert. Das Lustige ist, dass die Initialzündung für das Buch eigentlich eine zufällige war. Ich hab vor wenigen Jahren, ebenfalls mit Sebastian Hackenschmidt, ein Buch über 27 Tankstellen in Wien gemacht und er meinte in seinem Text zum Buch: "Wir hätten genauso gut Würstelstände machen können."

Buchtipp: "FÜNFUND- NEUNZIG WIENER WÜRSTELSTÄNDE", 
Sebastian Hackenschmidt und Stefan Oláh, Verlag Anton Pustet

Künstler Rudi Klein

"Notsituation Heißhunger"

Die Zeichnungen und Karikaturen des Wieners Rudi Klein wurden und werden in verschiedenen österreichischen und deutschen Zeitschriften bzw. Zeitungen veröffentlicht, zum Beispiel Standard, Falter, Profil, Trend, Titanic, Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit.

Obwohl ich schon ein Fleisch- und Wursttiger bin, trifft man mich eigentlich nicht besonders oft am Würstelstand. Wenn, dann meistens spät in der Nacht, wenn ich lang unterwegs war und mich der Heißhunger befällt. Man könnte durchaus von einer Art Notsituation sprechen. Und da hat man meistens keinen Haubekoch bei der Hand. Dann muss es schnell gehen. Wobei, da fällt mir ein, als ich heuer aufgrund meiner Ausstellung eine Woche im Lentos- Museum in Linz war, besuchte ich jeden Abend den "Leberkäs-Beppi". Der hatte einen sauguten Leberkäs und Bratwurst mit Sauerkraut. Letzteres würde ich mir auch im Wiener Angebot öfters wünschen. Generell liebe ich Würste aller Arte, wobei sich meine Favoriten verändert haben.

Was ich gar nicht mag, sind Eitrige, also Käsekrainer. Was mir zu dem Käsekrainer- Streit einfällt, den es heuer gab? Das finde ich einfach nur lächerlich. Ich verabscheue heißen Käse in jeder Form. Deshalb mag ich auch die Schweiz nicht besonders. Einmal im Jahr quäle ich mich aus Liebesgründen durch einen Teller Kässpätzle. Meine Freundin stammt nämlich aus dem Bregenzerwald.

Als Ort der Kommunikation funktioniert ein Würstelstand hervorragend, denn an einem solchen Ort kommt es zu einer sehr guten sozialen Durchmischung. Das taugt mir. Da gibt es sehr schöne aber auch weniger schöne Geschichten und Erinnerungen. Leider merkt man sich nicht all die wunderlichen Dinge, die da passieren.

Ich mag gern den Würstelstand bei der Albertina. Der war für den Staatspreis für Design nominiert, wobei ich den Stand nie als Designobjekt wahrgenommen habe. Wenn das Design gewachsen ist und den Bedürfnissen der Kunden entgegenkommt, ist mir das natürlich recht. Oft wird ja im Bereich Design- und Architektur am Benützer vorbeiproduziert. Kurz gesagt, ich hab nichts dagegen, wenn ein Würstelstand aussieht wie eine Skulptur - wenn er auch funktioniert. Da bin ich streng. Schön ist gut, aber Sinn muss es halt machen.

Die Männer, meistens sind es ja Männer, die im Würstelstand arbeiten, nehme ich in der Regel eher als muffige Typen wahr. Wenn es anders wäre, würde es richtig auffallen. Aber es ist wohl auch nicht der lustigste Job, die halbe oder sogar ganze Nacht in der Kälte zu stehen. Klar gibt's ein paar, die einen guten trockenen Schmäh haben. Der Idealfall wäre ein Würstelstand-Mann, der seinen Job wie ein guter Barkeeper erledigt. Man kommt mit den Leuten am Würstelstand, also mit den anderen Kunden, wahrscheinlich deshalb leichter ins Reden, weil man sich in einer ähnlichen Situation befindet. Ich würde mich schon als kontaktfreudig bezeichnen, das hängt wahrscheinlich mit meiner einsamen Arbeitssituation zusammen, wobei ich im Alter nicht menschenfreundlicher werde. Was ich mir letztendlich von einem Würstelstand wünsche, ist eine anständige Qualität. Das ist wie mit dem Wein. Es ist einfach nicht mehr notwendig, schlechten Wein auszuschenken.

Wiens Vizebürger-Meisterin Renate Brauner

"Der Psychiater der Straße"

Für Wiens Vizebürger-Meisterin Renate Brauner ist der Würstelstand aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Sie selbst findet leider viel zu selten Zeit fürs Plaudern bei einer Bratwurst.

Der Würstelstand gehört für mich ganz unverzichtbar zu Wien. Er ist ein Treffpunkt, und er ist die letzte Bastion, wenn man sehr spät abends noch schnell etwas essen will. Auch für den Tourismus spielt er eine wichtige Rolle, stellt er doch eine schöne Wiener Spezialität dar. Während meiner Studienzeit und auch wenn ich am Abend öfters unterwegs war, war der Würstelstand nicht selten die letzte Station eines solchen Abends. Ab und zu, wenn ich in meinem Heimatbezirk Margareten unterwegs bin, kann es schon vorkommen, dass ich beim Würstelstand in der Pilgramgasse vorbeihusche. Es kann auch passieren, dass ich auf meinem Heimweg, der von Würstelständen gesäumt ist, an einem davon haltmache. Aber die Frequenz ist stark gesunken, darum freu ich mich umso mehr über diesen Termin hier.

Der Würstelstand ist ein Ort der Kommunikation. Das liegt schon an seiner gestalterischen Beschaffenheit. Man kommt einfach leichter ins Plaudern, wenn man an einer Theke lehnt, das gilt ja auch für Lokale. Dazu kommt, dass die Wiener – so sehr sie manchmal granteln – auch sehr kommunikativ sind. Hier, am Würstelstand, kommen sozusagen die Leut’ zusammen. Und das Besondere ist, dass sich Menschen aus allen sozialen Schichten und jeden Alters zusammenfinden. Touristen kommen ebenfalls gerne.

Die Standler erfüllen dabei eine wichtige soziale Funktion, weil sie die Sorgenträger von vielen sind. Sie sind sozusagen die Psychiater der Straße, ähnlich wie ein Barmann oder eine Barfrau. Es gab sogar einmal ein Projekt von Sozialarbeitern im 22. Bezirk, im Rahmen dessen sich diese hinter die Theke gestellt haben.

Ich komm eigentlich an vielen Orten mit den Leuten ins Reden. Am Würstelstand ist es mir schon passiert, dass ich mit Touristen plauderte, die mich im Laufe des Gesprächs fragten, was ich denn beruflich so mache. Als ich sagte, ich sei Vizebürgermeisterin von Wien und für die Finanzen der Stadt zuständig, meinten sie: „und wo ist ihr Bodyguard?“. Ich antworte: „Nirgends, das ist Wien!“ Die Sicherheit und Lebensqualität in unserer Metropole ist wirklich einzigartig!

Ich mag gern Bratwürste, aber auch ganz normale Frankfurter. Dazu gibt’s – wie er bei mir heißt – den Punkterlsenf. Ich trinke so gut wie kein Bier, ich bin eine Wienerin, die den Gspritzten liebt. Am Würstelstand trink ich aber eher Wasser. Als Fleischtigerin würde ich mich nicht bezeichnen, nein. Ich esse gerne und bin eine typische Allesesserin. Ich liebe Obst, Gemüse, Süßigkeiten, aber ich genieße genauso gern ein Wiener Schnitzel oder eben eine Bratwurst.

Der Würstelstand ist aus Wien nicht wegzudenken! Man sollte ihn, so gut es geht, unterstützen, indem man ihm ab und zu einen Besuch abstattet. Vor ein paar Tagen hab ich eine Beschwerde vorgelegt bekommen, in der es hieß, dass es in Wien immer weniger Würstelstände gebe. Den Eindruck habe ich gar nicht. Aber man muss schon auf dieses Juwel Obacht geben, denn der Würstelstand gehört zu Wien wie der Stephansdom – und das Granteln.

Kabarettist, Schauspieler und Radatz-Neffe Robert Palfrader

"Wenn's kein Fleisch mehr gibt,
fress ich Vegetarier"

Der Kabarettist, Schauspieler und Radatz-Neffe Robert Palfrader besucht regelmäßig den Würstelstand. Uns erzählte er von Würstelstandbekanntschaften, Curry und Ketchup sowie vom Picknick in der Stadt.

Ich gehe relativ oft zum Würstelstand – unter anderem, weil meine Mutter und auch meine Schwester einen betreiben. Der eine ist in Brunn am Gebirge, der andere in der Nähe des Rinterzelts in der Donaustadt. Die sind also ganz schön weit auseinander. Meistens trifft man mich aber in der Mitte, hier bei diesem Würstelstand in der Nähe des Rabenhoftheaters, wo ich sehr oft spiele. Vor einem Auftritt mag ich nichts essen, aber danach belohne ich mich meistens mit einer Käseleberkässemmel. Manchmal sind es auch zwei. Oder ein Hotdog mit Senf und Ketchup. Und ein Bier. Wenn der Kollege Florian Scheuba dabei ist, können es auch mehr sein. Bei meiner Mutter wie auch bei meiner Schwester dauern die Besuche sehr lange, ansonsten nicht so, vielleicht ein paar Minuten. Außer der Scheuba ist dabei, da wird dann schon einmal eine halbe oder eine Dreiviertelstunde daraus.

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, und es lässt sich darüber nicht streiten, aber was am Würstelstand gar nicht geht, ist Curry über eine Wurst zu streuen. Neulich sah ich, wie jemand Ketchup und Curry über eine Bratwurst gegeben hat. Das war richtig grauslich.

Sehr wichtig am Würstelstand ist die Plauderkultur, die Kommunikation, auch mit den anderen Gästen. Ich hab da schon wahnsinnig interessante Menschen kennengelernt. Man kommt am Würstelstand sehr leicht ins Gespräch. Vor circa einem Monat zum Beispiel bin ich mit einem Mann zum Reden gekommen, der eine Cocktailbar in Berlin betreibt. Den werde ich bei meinem nächsten Berlin-Besuch hundertprozentig besuchen. Er war einfach ein sehr interessanter Gesprächspartner. Der Scheuba war übrigens auch dabei. Komischerweise lassen mich die Leut‘ am Würstelstand mehr in Ruh als anderswo. Da wissen sie wahrscheinlich, dass ich meine Ruh haben will. Ansonsten werde ich tagtäglich mehrmals angesprochen. Das passiert auf angenehme, aber auch sehr unangenehme Art und Weise. Das ist halt ein Teil des Jobs und situationsabhängig. Es geht darum, wie das jemand macht. Man kann das humorvoll tun, elegant, aber halt auch saublöd. Wenn ich allein bin, ist es mir eh wurscht, wenn ich aber mit meinen Kindern unterwegs bin, werde ich batzig. Also bitte lassts mich in Ruhe, wenn ihr mich mit den Kindern sehts.

Ich würde sagen, der Würstelstand ist ein Picknick in der Stadt. Ich geh selbstverständlich auch im Winter zum Würstelstand. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Würstelstände. Ich glaube auch absolut, dass uns die Würstelstände erhalten bleiben werden. Dass sie immer mehr designt werden, stört mich nicht. Ich sehe darin keine Fehlentwicklung. Was ist zum Beispiel gegen eine schöne Nirosta-Arbeitsfläche einzuwenden? Das wirkt ja dann auch gleich viel appetitlicher.

Ich bin generell ein absoluter Fleischtiger. Mit drei Rufzeichen. Wenn es kein Fleisch mehr gibt, fress ich Vegetarier. Es geht auch nicht um Schnitzel oder Schweinsbraten. Da bin ich vollkommen emotionsbefreit. Hauptsache es ist Fleisch.


mobile torrents 2017torrent 2017 moviesonline torrent downloadsmovies torrentshd movies downloaddownloadsfree torrent downloadstop downloadsfull length movies torrenttorrent downloadsdownload movies and filmfull hd torrents2017 movies freewatch online moviedownload torrentsdownload films for freedownload free hd torrentspopular torrents downloadtop movies free download2017 movies downloadstorrentfree movies download 2017top rated torrents downloads