RADATZ
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16. Februar 2015 Johann Pichler

Warum die Frankfurter überall sonst Wiener heißen und woher sie wirklich kommen?

Radatz_Frankfurter

Ja, die oft gestellte Frage. Die Geschichte des Würstels lässt sich bis ins Jahr 1820 zurückverfolgen. Damals verzehrte bekannter Weise schon Johann Wolfgang von Goethe mit großer Leidenschaft Würstchen – und zwar in Frankfurt. Die legendären Frankfurter Fleischhauer arbeiteten akribisch an der Verfeinerung des Würstchens und regelten sogar dessen Verzehr:

„So e Bratworscht muss indesse/jeder ohne Gabel esse;/nor die rächte Hand und linke/sind als Gawle mit finf Zinke/noch gestatt’ – und deß ist gut,/weil sich kääns da steche dhut. (ein Zitat, das Christoph Wagner für sein Buch „Fast schon Food“, Campus Verlag, aufgestöbert hat).

Allerdings, wie aus diesem Reim auch schon hervorgeht: Die original Frankfurter Würstchen waren Bratwürste, die in großen Pfannen in Fett gebrutzelt wurden, von dem, was wir heute unter „Frankfurter“ verstehen, einer zartrosa, leicht geräucherten feinen Wurst von eleganter Figur und aparter Krümmung, war damals noch keine Spur. Diese Wurst wurde nämlich tatsächlich in Wien erfunden, und zwar vor mehr als 200 Jahren: Johann Georg Lahner, ein Metzgermeister aus Frankfurt, kam in die Kaiserstadt Wien, wo er zuerst einmal als „Aufhackknecht“ arbeitete und später eine Fleischerei gründete. Mit dem Handwerk des Wurstmachens war er also wohl vertraut, musste sich hier in Wien aber nicht dem strengen Frankfurter Wurstgesetz unterwerfen, wonach ein Fleischhauer nur Fleisch einer einzigen Tiersorte anbieten durfte. Weshalb er 1805 also erstmals eine kleine Wurst entwickelte, die aus Schweine- und Rinderfleisch bestand und in Schafsaitlinge gefüllt, leicht geräuchert und sodann nicht gebraten, sondern in heißem Wasser gesotten wurde – die geniale Komposition sollte fortan den Namen „Wiener Frankfurter“ tragen und Kaiser Franz Josef soll sie in späteren Jahren der Legende nach als Gabelfrühstück sehr geschätzt haben.

Nun ja, diese Wurst ging jedenfalls um die Welt, erhielt auf diesem Weg aufgrund der ihr eigenen Krümmung in Amerika auch den Namen „Dachshound Frankforter“ und wurde in späterer Folge dort zum kürzeren „Hot Dog“. Tatsache aber bleibt, dass die originale Frankfurter aus Wien stammt und dass sie interessanterweise nur in Wien „Frankfurter“ genannt wird, überall anders aber unter dem Namen „Wiener“ läuft. Soll uns nicht stören, wir sehen’s als Kompliment.

Wie ein Frankfurter Würstel schmecken muss, weiß in Wien jedes Kind. Umso genauer muss man bei der Produktion aufpassen. Radatz darf sich stolz als Österreichs größter Hersteller von Frankfurtern behaupten. Bei uns ist die elegant gekrümmte Wurst nicht nur köstliches Gabelfrühstück, Höhepunkt des Kindergeburtstages oder unverzichtbare Einlage in der grünen Erbsensuppe – hier ist die Frankfurter ein Präzisions-Produkt.

Und noch ein Tipp für die Zubereitung der Frankfurter: Das Wasser salzen, aufkochen lassen, dann die Würstel rein und weg mit der Hitze – so ziehen sie schön durch und platzen garantiert nicht.

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