RADATZ
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7. November 2014 Franz Radatz

Die guten Gänse

Die guten Gänse

Wir wollen doch alle wissen, wo die Dinge, die wir essen, herkommen. Was mit den glücklichen Hühnern begonnen hat, das gilt auch für die Gänse, die wir jetzt rund um Martini verkaufen. Es sind nicht irgendwelche Gänse von irgendwoher, sondern im Gegenteil, Tiere, die ein wirklich idyllisches Leben hinter sich haben. Davon habe ich mich selbst überzeugt.

Auch diesen Sommer war ich wieder einen Nachmittag in Waldneukirchen bei der Familie Deichsel, die bereits die siebte Saison auf ihrem Hof aus dem Jahre 1884 die berühmten Traunviertler Weidegänse züchtet. Die Fahrt durch die sanften Hügel war dieses Jahr zwar verregnet, den Gänsen hat der nasse Sommer dafür umso mehr gefallen. In Gruppen haben sie sich um die Pfützen geschart, die sich dieses Jahr in den Wiese vor dem Hof ganz automatisch gebildet hatten. Dort sitzen sie, schnattern vor sich hin uns wirken sehr friedlich.

Die Gänse, die wir verkaufen, werden nämlich nur die ersten 13 Wochen in einem Stall gehalten. Ich muss Ihnen nicht versichern, dass er groß und geräumig ist. Nach 13 Wochen dürfen die Tiere tagsüber raus und ihre Zeit im grünen Gras verbringen. Gänse sind disziplinierte, aber auch ziemlich faule Tiere, kann ich ihnen berichten. Und wer wissen will, woher der Ausdruck Gänsemarsch kommt, sollte wirklich bei den Deichsels in Waldneukirchen vorbeischauen. Sie züchten und verarbeiten übrigens auch Obst und verkaufen es ab Hof, ihr Kirschdicksaft ist preisgekrönt.

Zwar schrecken die Gänse ein bisschen auf, wenn man mit dem Auto die Schotterstraße runterkommt, aber sie beruhigen sich auch sehr schnell wieder. Ganze 21 Wochen leben die Martinigänse in der oberösterreichischen Idylle.

Mit der Familie Deichsel haben wir beste Geschäftsbeziehungen. Herr und Frau Deichsel, auch ihr Sohn ist am Hof beschäftigt, liefern uns, was wir bestellen. Und wir wiederum bestellen, was Sie, unsere Kunden, von uns wollen. Unsere Gänse werden nicht eingefroren. Das macht den Braten um Klassen besser.

Warum ich Ihnen das alles hier schreibe: Weil Dienstag, der 11. November der Tag des Heiligen Martin ist. Da finden nicht nur die Laternenfeste in Schulen und Kindergärten statt, sondern da steht seit Generationen auch das Martini-Gansl am Speiseplan. Saisonal. Aus Österreich. Ich hoffe, Sie halten Traditionen so hoch, wie ich es tue, und vergessen diesen Tag nicht. 

Die nächste Möglichkeit für ein Gansl ist dann erst wieder zu Weihnachten, oder wollen Sie zwei Mal eine Gans aus dem Traunviertel braten? Köstlich genug wär’s. Ganz sicher.

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